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Das Ende der europäischen Zeitumstellung?

Zurück zur alten Realität?

Seit Jahrzehnten begleitet sie uns, die Zeitumstellung. Zweimal im Jahr werden dafür die Uhren gestellt:  jeweils am letzten Sonntag im März um eine Stunde vor (Sommerzeit) und am letzten Sonntag im Oktober wieder eine Stunde zurück (Winterzeit/Normalzeit.)

Das war allerdings nicht immer so. Kursierten während des 2. Weltkriegs verschiedene Zeiten (Sommerzeit, Hochsommerzeit), wurde die Sommerzeit im Jahr 1950 gänzlich abgeschafft. 30 Jahre später, 1980, als Antwort auf die Ölkrise 1973 wurde sie wieder eingeführt. Um Energie zu sparen, sollten die Uhren eine Stunde zurück gestellt werden. So konnte das Tageslicht noch länger ausgenutzt werden, es wurde abends später dunkel und der für Beleuchtung aufgewendete Strom verringerte sich. Ab 1996 wurde die Sommerzeit dann europäisch einheitlich geregelt, um den europäischen Markt zu harmonisieren.

Trotzdem scheint der Trend zum Ende der Zeitumstellung unumkehrbar. Russland ist schon 2014 zur durchgehenden Normalzeit zurückgekehrt, nachdem zunächst die durchgehende Sommerzeit wenig Anklang gefunden hatte. In der Türkei wiederum gilt ab 2016 die Sommerzeit als Standard. 

Und auch in Deutschland werden die Stimmen nach einer Abschaffung der Zeitumstellung lauter. In der europäischen Umfrage von 2018 nahmen etwa 3,1 Millionen Deutsche teil, also 3,79% der gesamten deutschen Bevölkerung. Damit waren es mehr als doppelt so viele Stimmen als in allen anderen teilnehmenden europäischen Ländern zusammen. 84% der teilnehmenden Deutschen hielten die Zeitumstellung demnach für überflüssig. 26% von ihnen klagten zudem über körperliche oder seelische Probleme, die mit der Zeitumstellung einhergehen. Vor allem bei Kindern kann der Biorhythmus durcheinander geraten und auch Tiere wie z.B. Kühe sind anfällig für zeitliche Veränderungen. Beispielsweise geben Kühe am Tag nach der Zeitumstellung deutlich weniger Milch. Auch die erhoffte Energieeinsparung hat sich nur zum Teil bewahrheitet. Zwar ist der Stromverbrauch durch verminderte Lampennutzung zurückgegangen, dafür wurde morgens früher mit dem Heizen begonnen.

Andererseits stimmten 16% der teilnehmenden Deutschen dagegen. Außerdem sind die körperlichen Probleme mit etwas Engagement vermeidbar. Wer die Zeitumstellung körperlich nicht gut verträgt, kann sich schon ein paar Tage vorher behutsam an die Zeitumstellung gewöhnen. Wer außerdem in den Urlaub fliegt, sei es Spanien, die Türkei oder ein Land außerhalb der EU wird ebenfalls immer Zeitumstellungen begegnen- Jetlag lässt grüßen. Auch sorgt die Sommerzeit dafür, dass vor allem Berufstätige mehr Zeit haben, den Tag für Freizeitaktivitäten im Freien zu nutzen. Die Tourismusbranche soll profitieren und auch die Wohnungseinbrüche gehen zurück. Unter Berücksichtigung, dass insgesamt eine überwältigende Mehrheit der Europäer gar nicht gewählt hatten, kann die Umfrage zudem schwer repräsentativ sein. Von den insgesamt etwa 446 Millionen Europäern (Stand 2018) hatten nur 4,6 Millionen an der Umfrage teilgenommen.

Trotzdem ist das Ende der Zeitumstellung seit 2018 beschlossene Sache. In der europäischen Umfrage stimmten von den insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmern 80% für ein Ende der Zeitumstellung. Wann dies konkret eintreten wird ist allerdings noch nicht festgelegt - zunächst ist 2021 angedacht. Jeder Mitgliedstaat beschließt selbst, ob für ihn die Sommer- oder Winterzeit gelten soll. Ein solcher zeitlicher Flickenteppich soll aber vermieden werden. Also muss noch ein Kompromiss gefunden werden und das gestaltet sich äußerst schwierig, weshalb der Termin 2021 wiederum stark bezweifelt wird. Auch weil im Moment anderen Themen wie dem Klimaschutz mehr Prioritäten zugesprochen werden.



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